Open Scope Workshop im Projekt ReFiberTech beleuchtet innovative Technologien, biobasierte Materialien und Herausforderungen für den industriellen Einsatz

Wie lassen sich Faserverbundwerkstoffe nachhaltiger gestalten und wertvolle Ressourcen möglichst lange im Kreislauf halten? Mit dieser Frage beschäftigten sich rund 20 Teilnehmende beim Open Scope Workshop „ReUse – Recycling – nachhaltige Matrices“ am 14. Oktober 2026. Die Veranstaltung fand im Rahmen des bayerischen Cross-Cluster-Projekts ReFiberTech statt, das die Entwicklung kreislauffähiger Lösungen für Faserverbundwerkstoffe vorantreibt und neue Kooperationen zwischen Industrie und Forschung anstoßen möchte.

Zum Auftakt stellte Sven Blanck, Geschäftsführer MAI Carbons, das Projekt ReFiberTech und seine Zielsetzungen vor. Anschließend präsentierte Dr. Hannspeter Schubert den Campus Tölz, der ursprünglich als Veranstaltungsort vorgesehen war, digital. Der Innovationsstandort bietet flexible Räumlichkeiten für Start-ups und Unternehmen und setzt thematische Schwerpunkte unter anderem auf neue Materialien, Robotik, Luftfahrt und Wasserstofftechnologien.

Drei Impulse für nachhaltigere Faserverbundwerkstoffe

Drei Fachvorträge beleuchteten unterschiedliche Ansätze entlang des Lebenszyklus von Composites-Bauteilen.

Jakob Wölling (Fraunhofer IGCV) zeigte, wie recycelte Carbonfasern zu leistungsfähigen Halbzeugen weiterverarbeitet werden können. Anwendungsbeispiele aus der Luftfahrt, dem Automobilbau und dem Sportbereich verdeutlichten, dass Rezyklate nicht nur hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit, sondern auch durch gute mechanische Eigenschaften und Verarbeitbarkeit überzeugen können.

Alexander Erler (EDAG Engineering) stellte Ergebnisse des EU-Forschungsprojekts RECREATE vor. Am Beispiel des autonomen Fahrzeugkonzepts EDAG CityBot zeigte er, wie modulare CFK-Strukturen und lösbare Klebeverbindungen die Reparatur und Wiederverwendung von Bauteilen ermöglichen. Gegenüber einer konventionellen Stahlkonstruktion konnte das Gewicht um 52 Prozent reduziert werden.

Thomas Zimmermann (SKZ Würzburg) präsentierte Forschungsansätze zur Wiederverwertung von Carbonfaser-Prepreg-Produktionsabfällen sowie zur Entwicklung biobasierter duroplastischer Formmassen. Dabei konnten Materialien mit einem biobasierten Anteil von 75 Prozent und konkurrenzfähigen mechanischen Eigenschaften hergestellt werden.

Von der technischen Lösung zur industriellen Anwendung

In der anschließenden interaktiven Diskussion tauschten sich die Teilnehmenden über mögliche Anwendungen und bestehende Hemmnisse aus. Neben wirtschaftlichen Herausforderungen und Anforderungen an die Materialqualität standen insbesondere aufwendige Normungs- und Zulassungsverfahren im Fokus.

Fazit

Der Workshop machte deutlich, dass bereits zahlreiche vielversprechende Technologien für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft bei Faserverbundwerkstoffen zur Verfügung stehen. Um diese stärker in die industrielle Anwendung zu überführen, braucht es neben wirtschaftlich tragfähigen Konzepten vor allem den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen Industrie, Forschung und Politik.

Über ReFiberTech

Das bayerische Cross-Cluster-Projekt ReFiberTech wird gemeinsam vom Spitzencluster MAI Carbon, dem Chemie-Cluster Bayern und dem Umweltcluster Bayern umgesetzt. Es bündelt Wissen zu Recycling, Wiederverwendung, Reparatur und biobasierten Alternativen und fördert die Entwicklung neuer Innovations- und Kooperationsprojekte.

Gefördert wird das Projekt vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie.