CU-Mitglieder und Gäste im Gespräch

Im monatlichen „Jour Fixe“ des Clusters CU West geben Unternehmen und Forschungseinrichtungen Einblicke in aktuelle Technologien, Projekte und Praxiserfahrungen. Am 21. September 2026 stand die Online-Veranstaltung unter dem Titel „Automotive: neue Anwendungen mit Verbundwerkstoffen“. Im Mittelpunkt standen neue Ansätze für Organobleche, kreislauffähige Faserverbundstrukturen im Fahrzeugbau, faserkeramische Lösungen für den Batterie-Brandschutz sowie der Einsatz von Composites in zukünftigen Mobilitätsanwendungen. Rund 25 CU-Mitglieder und Gäste nahmen teil. Dr.-Ing. Florian Gortner vom Leibniz-Institut für Verbundwerkstoffe leitete die abschließende Diskussion.

„Verbundwerkstoffe werden in der Automobilindustrie für eine Vielzahl von Komponenten eingesetzt. Sie punkten bei Gewichtsreduzierung, Funktionsintegration, Sicherheit und Haltbarkeit. Anwendungen finden sich in Karosserie, Außenhaut, Fahrgastzelle, Crashstrukturen, Innenraum und Batteriesystemen. Unsere Unternehmen müssen ihren Anteil am Pkw mit innovativen Werkstofflösungen weiter ausbauen“, so Dr. Heinz Kolz, Clustergeschäftsführer von CU West, in seiner Begrüßung. 

Im Rahmen des 41. Jour Fixe stellten folgende Unternehmen und Einrichtungen ihre Beiträge zum Thema vor:

Neue Ansätze für Organobleche in Werkstoffentwicklung und zerstörungsfreier Prüfung

Die Kunststofftechnik Paderborn (KTP) hat ein breites Kompetenzspektrum. Konventionelle Organobleche haben eine hohe mechanische Steifigkeit. Für dreidimensionale komplexe Strukturen wurde eine thermoplastische TPE-Folie mit Glasfasern genutzt die, unter hohem Druck thermisch bearbeitet werden kann. Die Folie kann durch ihre hohe Verformbarkeit für die lokale Verstärkung eingesetzt werden. Für die zerstörungsfreie Prüfung werden Probematerialien mit einem Laser kurz angeregt. Anhand des Wellenverhaltens kann auf die Steifigkeit und das Dämpfungsverhalten geschlossen werden. Das Institut steht mit seinen Projekten für weitere Partner zur Verfügung und ist offen für Industrieprojekte.  

Referent: Lukas Bräutigam, wissenschaftlicher Mitarbeiter Spritzgießen & FV an der Universität Paderborn

Modulare, langlebige und demontierbare Faserverbundstrukturen für kreislauffähige Fahrzeuge

 Die EDAG kommt als Ingenieurdienstleister aus der Automotive-Branche und ist heute in unterschiedlichsten Industrien tätig. Der City Bot, ein autonomer Traktor mit unterschiedlichsten Aufbauten, wurde als Demonstrator entwickelt. Der ursprünglich verwendete Stahlrahmen wurde durch kreislauffähig geklebte CFK-Strukturen ersetzt. Es wird ein einheitliches Querschnittprofil eingesetzt und zwei Klebetechniken getestet, die eine Trennung der Teile durch Wärmeeintrag bieten. Dabei muss die zu trennenden Klebverbindung von den umliegenden Komponenten abgeschirmt werden. Die Verklebung bietet eine hohe Dauerfestigkeit, das Trennen kann rückstandsfrei erfolgen und die Teile können wiederverwendet werden. Es konnte eine Gewichtsreduzierung um 52 % bei höherer Steifigkeit erreicht werden. Die EDAG sucht Partner für weitere Demonstrationsprojekte oder für die Serienproduktion.

Referent: Alexander Erler, Project Leader LCA / Sustainability, EDAG

Lederharte faserkeramische Folien für den Batterie-Brandschutz

Die WPX wurde als Abteilung in die HKO integriert. Die HKO hat Schwerpunkte in der Isolierung von Abgassträngen und im Batteriebrandschutz. Die Brandschutzfolie, mit einer Stärke von 0,3–1 mm, besteht aus einer Glasfaser mit einer keramischen Infiltration. Sie bietet elektrische Sicherheit und Schutz bis zu 1200 °C bei guter thermischer Isolation. HKO ist neben Automotive-Anwendungen an weiteren Branchen mit Aufgabenstellungen im Wärmeschutz, wie Ofenbau oder der Kombination der Folie mit anderen Materialien, wie z. B. Duroplasten, interessiert.

Referent: Thorsten Goertz, Entwickler, HKO/WPX

From Fuel Tanks to Future Mobility: SIMONA’s Journey into World of Composites

Die Simona, ein Unternehmen mit 2.000 Mitarbeitern, ist vor allem mit thermoplastischen Halbzeugen, die als Grundlage für Anwendungen in den Bereichen Automobil, Bahn, Flugzeug und weiteren Mobilitätsanwendungen eingesetzt werden, tätig. Seit einigen Jahren werden Produkte aus Verbundwerkstoffen entwickelt und angeboten. Ein Produkt ist z. B. eine Hybridplatte aus 5 bis 7 Schichten, aus der Tanks für die Automobilindustrie gefertigt werden. In definierten Schichten dieser Platten können z. B. recycelte Komponenten eingebracht und so ein Recycling ermöglicht werden. Aktuell werden ca. 2.000 bis 4.000 t dieser Platten pro Jahr vertrieben. Weitere Kooperationspartner könnten Hersteller von Flammschutz oder Partner für andere Materialkombinationen sein.

Referent: Dr. Timo Grieser, SIMONA

Aus der Diskussion (Leitung Dr.-Ing. Florian Gortner, IVW):

Bei den thermoplastischen Verbundwerkstoffen stehen Umformen, Schweißen und das Gewicht im Fokus. Leichtbau zur Verbesserung der Reichweite ist bei E-Fahrzeugen mit einem Fahrzeuggewicht von 2 Tonnen ein zentrales Thema. Bauteile müssen serientauglich und automatisierbar sein. Die Funktionsintegration (Sensorik, Leitungen) und Nachhaltigkeit sind weitere Anforderungen. Flachs oder Hanffasern, biobasierte Harze, recycelte Fasern und Design for Recycling bieten Lösungswege. Ziel ist das automatisiert gefertigte und recycelbare thermoplastische Bauteil, so Dr. Florian Gortner.

Dr. Timo Grieser: Die Platten können in einer Breite von 1,5 bis 2 m und einer Stärke ab 1 mm gefertigt werden. Eine Dicke von 8 mm und gepresst bis 40 mm sind möglich.

Thomas Goertz: bei 0,3-1 mm Stärke ergibt sich ein Flächengewicht für die Folie von 300–700 g pro m². Die Folien können mit Schmelzkleber gefügt werden.

Alexander Erler: Die Verbindungselemente können in der Serie im Spritzguss gefertigt werden. Für den Demonstrator wurde 3-D-Druck genutzt. Für die Vereinzelung von Teilen werden Nachbarteile gekühlt oder abgeschirmt. Die Farbveränderung des Primers macht die Lösung des Teils gut erkennbar.

Lukas Bräutigam: Es wurden 2-mm-Proben der Leinwand für das TPE-Organoblech genutzt, damit das Polymer gut einfließen konnte. Weitere Projektpartner zum Thema Gewebe sind willkommen.

Ansprechpartner für Ihre Anliegen und die Veranstaltungsreihe ist Dr. Heinz Kolz, Clustergeschäftsführer CU West: heinz.kolz@composites-united.com

 

Unsere nächsten Termine:

19.10.2026 – 42. Jour Fixe „Verbundwerkstoffe: neue Materialien, neue Anwendungen“

26.10.2026 – 43. Jour Fixe „Gesundheitliche Wirkung von CFK-Stäuben – Aktueller Wissensstand und Schutzmaßnahmen“