Im monatlichen „Jour Fixe“ des Cluster CU West stellen Unternehmen und Einrichtungen ihre Technologien oder Projekte zu einem aktuellen Thema vor. Beim Jour Fixe „Verbundwerkstoffe: neue Materialien, neue Anwendungen“ stellten CU-Mitglieder ihre Innovationen im Materialbereich vor. An der Veranstaltung am 19. Oktober 2026 beteiligten sich 20 CU-Mitglieder und Gäste. Dr. Sebastian Schmeer vom Leibniz-Institut für Verbundwerkstoffe führte in das Thema ein und leitete die anschließende Diskussion.
„Materialien, sprich Polymere und Fasern sind die entscheidenden Stellgrößen für die Leistungsfähigkeit von Verbundwerkstoffen. Ihre Auswahl und Kombination bestimmt, wie leicht, steif, belastbar, langlebig und wirtschaftlich Produkte werden, welche Anforderungen sie erfüllen und welche Herstellungsverfahren genutzt werden können. Wir freuen uns Ihnen heute drei innovative Materialien und deren Anwendungen vorstellen zu können“, so Dr. Heinz Kolz, Clustergeschäftsführer von CU West, in seiner Begrüßung.
Im Rahmen des 42. Jour Fixe stellten folgende Unternehmen und Einrichtungen ihre Beiträge zum Thema vor:
Steady Plus UD: Fließ- und handlingoptimierte UD-Gelege für Performance in neuen Anwendungen
Saertex ist, mit 1100 Mitarbeitenden, 3.333 Materialkombinationen und 10.000 t Glas- und 3000 t Carbonfasergeweben, Weltmarktführer bei UD-Gelegen. Die Steady Plus UD ermöglichen eine gute und schnelle Infusion dicker Strukturen. Das verkürzt die Prozesszeiten. Dank spezieller Fixierung der Gelege kann eine fehlerfreie Infusion schnell und mit reduziertem Harzeinsatz erfolgen. Das Material bietet gute Handlingeigenschaften und die resultierenden Werkstoffkennwerte sind hervorragend. Es gibt bereits Anwendungen im maritimen Bereich, weitere Anwendungen in anderen Branchen, wie Automotive, sind willkommen.
Referent: Stefan Sanner, Senior Engineer Product Application, SAERTEX
Schmalgewebe für innovative Anwendungen
Vombaur, ein Traditionsunternehmen im Bereich der Schmalgewebe, punktet mit geringerem Abfall bei der Nachhaltigkeit. Es werden passgenaue Schmalgewebe bis 330 mm für komplexe Kundenlösungen entwickelt und damit Material eingespart. Dazu gehören u. a. Rundgeometrien. Auskunft zu konkreten Kundenprojekten kann nicht gegeben werden, weil diese fast immer unter Verschluss gehalten werden. Das Unternehmen ist offen für Anfragen zu komplexen Geometrien und beteiligt sich gerne an der Entwicklung von Gewebemustern.
Referent: Johannes Kauschinger, Sales Manager, vombaur
PulPro-SMC: Neue Wege im Schienenfahrzeug-Leichtbau
Die internationale Polynt-Gruppe stellt SMC- und BMC- Halbzeugen her die, z. B. im Fahrzeugsektor verarbeitet werden. Mit einem Konsortium wurden in den vergangenen drei Jahren der Wagenkasten eines Schienenfahrzeugs entwickelt. Brandschutz, Festigkeit, Steifigkeit, Kosten und Funktionsintegration waren die zentralen Anforderungen. Es wurden vier Entwicklungsthemen von unterschiedlichen Partnern bearbeitet:
- SMC-Knoten – flammgeschützt
- Pultrusion – mit reaktiver Oberfläche zur Anbindung
- Tow Preg – zur lokalen Verstärkung
- Fertigungsprozess – Stoffschluss-Anbindung
Es werden Kooperationspartner für eine Serienproduktion oder Partner gesucht die, die Entwicklung in einer anderen Anwendung nutzen wollen.
Referent: Dr. Steven Nothhelfer, Entwicklungsabteilung Polynt Composites Germany
Aus der Diskussion (Leitung, Dr Sebastian Schmeer, IVW):
In seiner Einführung stellte Dr. Schmeer das Projekt „hybride stahlfaserverstärkte Verbundwerkstoffe“ vor. Ziel des Projektes ist es die Grenzen der Multifunktionalität zu erweitern. Stahlfasern bieten gute lasttragende, elektrische und thermische Eigenschaften. Die Entwicklung soll auf thermoplastische Strukturen übertragen werden. Stahlfasern tragen bei Versagen der Carbonfasern weiter und bieten durch die hohe Bruchdehnung ein fail safe Verhalten. Die Hybridisierung wird auf Roving-, Einzelschicht und Laminatebene weiter verfolgt. Anwendungen könnten Stahlverstärkungen von Flugzeugflügeln gegen Vogelschlag, Eisschutz oder Blitzschutz sein. Das IVW sucht Anwendungen für die Mehrwerte, die das Hybridmaterial bietet.
Stefan Sanner: Dicke Strukturen haben keine Nachteile im Faservolumen, weil keine Hilfsstoffe genutzt werden, die Gelege enthalten lediglich Carbonfasern.
Johannes Kauschinger: Stahlfasern oder Kupferfasern werden bereits bei speziellen Anwendungen in die Schmalgewebe eingewoben. Eine Anwendung ist der Blitzschutz von Windkraftanlagen. Kunden erhalten die Möglichkeit sich an der Entwicklung von Gewebemustern zu beteiligen.
Dr. Steven Nothhelfer: In der Machbarkeitsstudie für den Wagenkasten wurden nicht alle Chancen für den Leichtbau genutzt. Die Dicke des Materials und die Nutzung von Rippen hätten weitere Gewichtseinsparungen geboten.
Ansprechpartner für Ihre Anliegen und die Veranstaltungsreihe ist Dr. Heinz Kolz, Clustergeschäftsführer CU West: heinz.kolz@composites-united.com.